Brücken bauen – Flüchtlingshilfe der Kirchen in Lemgo

Brücken bauen – Flüchtlingshilfe der Kirchen in Lemgo

Brücken bauen – Flüchtlingshilfe der Kirchen in Lemgo

# St. Nicolai: Neuigkeiten

Brücken bauen – Flüchtlingshilfe der Kirchen in Lemgo

Manchmal beginnt Integration mit einer Tasse Kaffee. Mit einem freundlichen „Guten Morgen“. Mit jemandem, der erklärt, wie ein Formular funktioniert, beim Deutschlernen hilft oder einfach zuhört.

Für viele Menschen, die nach ihrer Flucht in Lemgo ankommen, sind solche Begegnungen ein erster Schritt in ein neues Leben. Aktuell leben in der Alten Hansestadt Lemgo 761 Menschen mit Flüchtlingsstatus. 86 Personen befinden sich in einem laufenden Asylverfahren, 104 Menschen leben mit einer Duldung in unserer Stadt. Hinzu kommen 607 Menschen aus der Ukraine, die seit Beginn des russischen Angriffskrieges hier Schutz gefunden haben. Hinter diesen Zahlen stehen Familien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Hoffnungen und Herausforderungen.

Seit Anfang 2015 unterstützen neun Kirchengemeinden in Lemgo gemeinsam mit der Alten Hansestadt  diese Arbeit finanziell. Die Flüchtlingshilfe der Kirche ist aus der Überzeugung entstanden, dass christlicher Glaube immer auch praktische Nächstenliebe bedeutet. Menschen sollen nicht allein gelassen werden, wenn sie Orientierung, Unterstützung oder ein freundliches Gegenüber brauchen.

Heute geschieht diese Arbeit unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses St. Pauli. Gemeinsam mit rund 30 Ehrenamtlichen aus dem Stadtbereich Lemgo wird dort ein vielfältiges Angebot ermöglicht. Täglich nutzen etwa 25 Menschen die unterschiedlichen Hilfen und Begegnungsmöglichkeiten.

Ein Schwerpunkt ist die niedrigschwellige Beratung. Fachkräfte des DRK, des Kreises Lippe, des Jobcenters versuchen gemeinsam mit Ehrenamtlichen, die anstehenden Probleme zu verstehen, Formulare und Gespräche bei Behörden vorzubereiten und erklären nötige Abläufe, die für Menschen aus anderen Ländern oft schwer verständlich sind. 

Ein zweiter Bereich ist die Sprachbegleitung, auch die geschieht professionell und ehrenamtlich gemeinsam. Sprachtreffs und Sprachcafés oder individuelle Unterstützung beim gezielten Lernen zur Vorbereitung auf Deutschprüfungen holen Menschen aus der Isolation und bieten Lernmotivation auf unterschiedlichstem Niveau. Denn Sprache ist weit mehr als Kommunikation – sie ist der Schlüssel zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe.

Besonders sichtbar ist die Unterstützung für Menschen aus der Ukraine. Im Begegnungscafé treffen sie sich wöchentlich, ihre Angebote organisieren sie zunehmend selbstständig. Es gibt Informationsveranstaltungen, Hilfe bei Anträgen und Übersetzungen sowie besondere Angebote wie einen Sprachkurs für gehörlose Geflüchtete. Auch ein ukrainischer Chor, eine Kindergruppe und eine Tanzgruppe sind entstanden. Aus Fremden werden Nachbarinnen und Nachbarn. Aus Unsicherheit wächst Vertrauen und Selbstständigkeit.

Dabei lebt die Arbeit vor allem von den Menschen, die sich engagieren. Oft braucht es keine besondere Ausbildung. Wer Zeit mitbringt, zuhören kann oder Freude daran hat, andere beim Lernen der Sprache zu unterstützen, kann bereits einen wertvollen Beitrag leisten. Manchmal reicht eine Stunde in der Woche, um für jemanden einen entscheidenden Unterschied zu machen.

Die Flüchtlingshilfe der Kirchen in Lemgo zeigt seit über zehn Jahren, was möglich wird, wenn Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten über Migration oft von Problemen geprägt sind, erinnert sie daran: Hinter jeder Statistik stehen Menschen. Und Integration gelingt dort am besten, wo Begegnungen entstehen.

Gleichzeitig steht die Arbeit vor neuen Herausforderungen. Während Personal-, Energie- und Sachkosten weiter steigen, werden Förderprogramme gekürzt oder laufen aus. Auch die Spendenbereitschaft ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Das Mehrgenerationenhaus, unter dessen Dach die Flüchtlingshilfe organisiert wird, ist derzeit bis Ende 2028 durch Bundesmittel abgesichert. Wie die Arbeit danach langfristig finanziert werden kann, wird eine wichtige gemeinsame Aufgabe von Kirchen, Stadt und allen Unterstützenden sein.

Vielleicht haben auch Sie Interesse, diese Arbeit kennenzulernen. Dann schauen Sie vorbei, kommen Sie mit den Mitarbeitenden ins Gespräch oder besuchen Sie eines der Angebote. Die Flüchtlingshilfe braucht nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Menschen, die bereit sind, Brücken zu bauen – zwischen Kulturen, Religionen, Sprachen und Lebensgeschichten.

Denn eine offene und solidarische Stadt entsteht dort, wo Menschen füreinander da sind.

Bei uns in der Gemeinde sind Sigrun Stahr, Renate Rauchschwalbe und Joachim Höper ansprechbar.

Weitere Informationen: https://st-pauli-lemgo.de/fluechtlingshilfe-lemgo

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