01/11/2026 0 Kommentare
Den Glauben weitergeben
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# St. Nicolai: Neuigkeiten

Den Glauben weitergeben
Für die Lippische Landeskirche haben Gerold Werner (Detmold) und und Margarete Petz (Lemgo) an einer Tagung der GEKE in Talinn teilgenommen, auf dem Bild mit Erzbischof Urmas. Hier der ausführliche Rückblick.
Bericht vom 5. Treffen von Synodalen der Mitgliedskirchen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE)
Tallinn, 1. bis 4. Oktober 2026
11. Tagung der 38. ordentlichen Landessynode, 23./24. November 2026 in Bad Salzuflen
Syn. Margarete Petz (Klasse Nord), Syn. Gerold Werner (Lutherische Klasse)
1. Einleitung: Die Leuenberger Konkordie
Wir schreiben das Jahr 1973. Im Tagungshaus Leuenberg, einem Tagungsort der reformierten Kirche bei Liestal im Schweizer Kanton Basel-Landschaft, verabschieden am 16. März lutherische, reformierte und aus ihnen hervorgegangenen unierte Kirchen sowie die ihnen verwandten vorreformatorischen Kirchen der Waldenser und der Böhmischen Brüder eine Konkordie, die die nahezu fünfhundertjährige Spaltung der reformatorischen Konfessionen beendet und die es auf der Grundlage eines gemeinsamen Verständnisses des Evangeliums ermöglicht, Kirchengemeinschaft in Form von Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zu erklären und zu verwirklichen.
Erstunterzeichnerin war die Lippische Landeskirche. Bereits am 24. November 1970, zweieinhalb Jahre vor Leuenberg, hatte sie Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft beschlossen.
96 Kirchen in Europa und Südamerika, darunter die EKD und ihre 20 Gliedkirchen, haben seither die Leuenberger Konkordie anerkannt.
Die Leuenberger Konkordie ist zugleich das Gründungsdokument der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), zu der mittlerweile auch sieben methodistische Kirchen gehören. die Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands trat 2021 als bisher einzige Kirche aus der GEKE wieder aus.
2. Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE): Arbeitsweise und Bedeutung
Die Kirchengemeinschaft wird gelebt im gemeinsamen Gottesdienst, in gemeinsamem Lernen und Lehren, in gemeinsamem Zeugnis und Dienst, in verlässlichen gemeinsamen Strukturen sowie als Dienst an der Einheit der Kirche. Die europäischen Synodalentreffen bringen Menschen, die in diesen Gremien Verantwortung tragen, über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg miteinander ins Gespräch.
Ein dreiköpfiges Präsidium leitet die GEKE: Seit 2024 gehören ihm die schweizerische Pfarrerin Rita Famos (Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz), der estnische evangelisch-lutherische Bischof Marko Tiitus und der deutsche reformierte Theologe Prof. Dr. Georg Plasger (Ordinarius für Systematische und ökumenische Theologie an der Universität Siegen) an. Generalsekretärin ist die württembergische Pfarrerin Dr. Susanne Schenk. Die GEKE hat ihren Sitz seit 2007 in Wien.
Die heutige Bedeutung der GEKE besteht u. a. im gemeinsamen theologischen Nachdenken zu aktuellen und speziellen ethischen Fragen, die kontrovers sind und Spaltungen in und zwischen Kirchen hervorrufen. Dabei bleibt die Aufgabe, Kirchengemeinschaft zu verwirklichen als Gemeinschaft in versöhnter Verschiedenheit.
Die GEKE entwickelt ihre Positionen in international besetzten Lehrgesprächen und Studienprozessen. Sie setzt Impulse zu wichtigen Fragen der Ökumene. Sie nimmt Stellung zur Entscheidungsfindung in ethischen Fragen und zum missionarischen Auftrag der Kirchen. Mit ihren Fachbeiräten Ethik und Ökumene verfügt sie über zwei Fachgremien, die es ihr ermöglichen, zu wichtigen kirchlichen und politischen Entwicklungen glaubwürdig Stellung zu beziehen und die Position der Kirchen in politischen und zivilgesellschaftlichen Kontexten einzubringen.
Die Kirchen bleiben in ihren Traditionen unterschiedlich, erkennen sich aber gegenseitig als gleichwertige Kirchen an.
3. Die Strategie der GEKE 2025-2031: „Gemeinsam Kirche sein im Licht der Hoffnung“
Gottesdienstgemeinschaft
Gottesdienstkonsultationen, schwerpunktmäßig zu Kasualien in sich verändernden Gesellschaften;
Liturgische Hilfen zu besonderen Anlässen.
Gemeinschaft im Lernen und Lehren
Lehrgespräche, Studienprozesse und theologische Konsultationen, Förderung ihrer Rezeption in den Mitgliedskirchen;
Lehrgespräche zum Thema „Lehrverschiedenheit in der Kirchengemeinschaft“; zu „Amt, Ordination, Episkopé“ [Aufsicht, Verantwortung];
Untersuchung der theologischen Grundlagen von Erneuerungsprozessen;
„Die GEKE begrüßt die Diskussion über die missionale Weitergabe des christlichen Glaubens und seine Vermittlung an die nächste Generation in ihren Mitgliedskirchen und begleitet diesen Prozess. Bei dem europäischen Treffen von Synodenmitgliedern lädt sie die Teilnehmenden ein, sich auf dieses Thema zu konzentrieren.“
Zeugnis- und Dienstgemeinschaft
Zeitnahe aktuelle Stellungnahmen zu sozialethischen und europapolitischen Fragen, Vertretung evangelischer Positionen bei den europäischen Institutionen. Die GEKE ist bei Europarat als Internationale Nichtregierungsorganisation mit partizipatorischem Status registriert. Zuständigkeit für den evangelischen Religionsunterricht an den Europäischen Schulen der EU.
Unterstützung beispielhafter kirchlich-diakonischer Projekte ihrer Mitgliedskirchen.
Erarbeitung einer Orientierungshilfe zum Thema „Gemeinsam Kirche sein in Zeiten der Unsicherheit“.
Erfahrungsaustausch zum Thema Schutzmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt
Gemeinschaft, die ihre Strukturen gestaltet
Ordnungen, die ein aktives Einbringen der Mitgliedskirchen ermöglichen.
Förderung von evangelischen theologischen Studien im katholischen und orthodoxen Kontext.
„Die GEKE organisiert Treffen für Synodenmitglieder sowie Kirchenleitende der Mitgliedskirchen.“
„Stärkung ordinierter Frauen als Querschnittsthema ihrer Arbeit“
Nutzung digitaler Vernetzungstechnologien zum Austausch von Wissen und Erfahrungen.
Nachhaltige und ressourcenschonende Arbeitsprozesse.
Dienst an der Einheit der Kirche
Modell der Einheit in versöhnter Vielfalt als Erfahrung für ökumenische Dialoge.
Intensiver Austausch mit der Fellowship of Middle-East Evangelical Churches (FMEEC).
Kirchengemeinschaft mit weiteren Kirchen in Europa angestrebt. Z. B. Dialog mit der Europäischen Baptistischen Föderation.
Dialog mit dem Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen.
Stärkung der Beziehungen zu den anglikanischen Kirchen in Europa.
4. Die Gastgeberin: Die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche
Estland zählt aufgrund seiner wechselvollen Geschichte und der Unterdrückung unter dem atheistischen sowjetischen Besatzungsregime nach der Tschechischen Republik zu den am wenigsten religiösen Ländern Europas. Nur etwas mehr als ein Viertel der heute 1,3 Mio Einwohner bekennt sich zu einer bestimmten Religion. Über die Stärkeverhältnisse der Religionen findet man bei einer Recherche im Internet und auf Basis des letzten Zensus 2021 unterschiedliche Angaben. Auch wegen einer russischen Minderheit von ca. 21% der Bevölkerung bilden zwei orthodoxe Kirchen mit einem gemeinsamen Anteil von ca. 16% die stärkste religiöse Gruppe, gefolgt von den Lutheranern mit etwa 8%. Die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche, ursprünglich die estnische Nationalkirche, ist in 12 Propsteibezirke und insgesamt 165 Kirchengemeinden mit 214 Pfarrerinnen und Pfarrern untergliedert. Leitungsorgane sind die Generalsynode, die Kirchenleitung (Konsistorium, Oberkirchenrat), drei regional zuständige Bischöfe (darunter Bischof Marko Tiitus) und der Erzbischof (Urmas Viilma).
5. Der Auftakt
An dem Synodalentreffen nahmen Delegierte von 41 der 94 Mitgliedskirchen teil, darunter die beiden Berichterstattenden aus Lippe. 16 weitere Mitgliedskirchen entsandten zwei Delegierte, die gastgebende lutherische Kirche Estlands stellte sieben Teilnehmende. Die Partnerkirchen Lippes im nahegelegenen Litauen (lutherisch und reformiert) waren in Tallinn nicht vertreten.
„Gehet hin und lehret alle Völker“: Jesu Missionsbefehl (Mt 28,16-20) und das Verhältnis von Säen und Ernten standen im Mittelpunkt des von Vertretern verschiedener Mitgliedskirchen mitgestalteten Eröffnungsgottesdienstes und der einleitenden Predigt des estnischen evangelisch-lutherischen Erzbischofs Urmas Viilma in der beeindruckenden Domkirche der Heiligen Jungfrau Maria zu Tallinn, einem großen dreischiffigen Bau aus dem 13./14. Jahrhundert mit barocker Ausstattung. „In Auseinandersetzung mit dem in Europa zu beobachtenden Abbruch von Glaubenstraditionen und -erfahrungen und den aktuellen weltweiten politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlich-technologischen Entwicklungen tragen wir Verantwortung dafür, dass die nächste Generation von Christus hört.“ Die Teilnehmenden beteten und sangen in ihren jeweiligen Muttersprachen.
Ein festliches Abendessen im Hotel bot am ersten Abend reichlich Gelegenheit, Synodale aus anderen Ländern und Mitgliedskirchen kennenzulernen.
6. Der weitere Ablauf
6.1 Beispiele der gastgebenden Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche
Am folgenden Vormittag stellte die Estnische Evangelisch-Lutherische Kirche aus ihrem Bereich zwei Beispiele vor, wie die nächste Generation von Christus hören kann:
„Ein Baum, der gute Früchte trägt“: Die Kaarli Schule. Die Kaarli Schule ist eine einzügige integrierte Privatschule mit Kindergarten und Gymnasium im Tallinner Stadtzentrum. Ihre historischen Wurzeln reichen bis 1880 zurück. Die Schule heißt auch Familien willkommen, die nicht Mitglieder einer christlichen Gemeinde sind. Die Schülerinnen und Schüler werden im christlichen Wertesystem erzogen. Aus der Erfahrung, dass man selbst wertvoll ist, erwächst nach Überzeugung der Schule auch der Glaube an den Wert des Lebens im Allgemeinen. Umgebung, Erfahrung und Wissen sind die Säulen der Kaarli Schule. Von den Schülerinnen und Schülern wurden wir sehr aufgeschlossen begrüßt.
Der christliche Glaube schenkt Kraft und Geduld zu Heilung und Lebensmut: Das Sozialzentrum der Peeteli-Kirche (Bethelkirche) für Kinder: Die 1938 erbaute Kirche wurde 1962 vom Sowjet-Regime geschlossen und anschließend als Filmstudio und Lagerhaus genutzt. Als die Kirche 1993 an die Gemeinde zurückgegeben wurde, waren die Fenster zugemauert, es gab keine Heizungsanlagen und die Strom-, Wasser- und Abwassersysteme waren wie die gesamte Immobilie in einem völlig maroden Zustand. Trotz dieser Bedingungen gelang es 1996, einen Pfarrer zu finden, der die Vision mitbrachte, dass eine sozial sensible, offene und aktive Kirche zur Integration und Heilung innerhalb ihrer Gemeinschaft beitragen sollte. Die Gemeinde begann, Straßenkindern in einer sehr armen, oft kriminellen Nachbarschaft zu helfen und ihnen Selbstvertrauen und Lebensmut zu geben. Nach und nach entwickelte sich unter Mithilfe der Kinder und Jugendlichen und mit Spenden aus verschiedenen Ländern daraus ein Zentrum für diakonische Kinder- und Jugendarbeit mit Tageszentrum. Auf der früheren Orgelempore der Kirche wurden mehrere Wohnräume für Kinder eingerichtet. Die Peeteli-Kirche ist heute ein Leuchtturm diakonisch-missionarischen Wirkens in Estland und erhält Zuwendungen von konfessionellen und nichtkonfessionellen Partnern im In- und Ausland.
6.2 Das Thema: Weitergabe des Glaubens ist missionale Aufgabe
Ein Vortrag von Professor Randar Tasmuth (Theologisches Institut Tallinn) beschäftigte sich mit dem Thema "Zeitlose Mission: Bestimmung, Glaube, Praxis".
Nach den Worten Professor Tasmuths ist die Kirche in Christi großem Missionsauftrag verwurzelt; sie existiert, um das Evangelium zu verkündigen, den Armen zu dienen und die Menschheit auf dem Weg zur Erlösung zu begleiten. So ist Mission ein von Gott gegebener Auftrag an die Menschen. Gott wirkt durch Einzelpersonen und durch kollektive Gemeinschaften.
Grundlage und Ursprung ist die Missio Dei, die Selbstsendung Gottes. Die Kirche hat teil an Gottes Vision und Mission für diese Welt. So führte bereits Landessuperintendent Dietmar Arends 2025 im Bericht des Landeskirchenrats zur 8. Tagung der 38. ordentlichen Landessynode aus:
„Die Kirche hat eine Mission, denn sie nimmt teil an Gottes Sendung. Die Kirche ist Instrument, Zeugin, Gemeinschaft, aber nicht Ursprung dieser Mission. Gottes Mission zielt auf die Versöhnung der Welt, auf das Kommen des Reiches Gottes, auf das Heil der ganzen Schöpfung. Sie geht damit weit über das Ziel einer individuellen Bekehrung hinaus.“
Wir glauben, so Professor Tasmuth, dass wir nicht die letzte Generation von Christen sind, sondern „mitten“ in der zeitlosen Missio Dei. Diese Überzeugung bestimmt unsere Aufgabe. Der Schlüssel liegt im Hören von Gottes Wort und im Zuhören. Missionarisches Handeln bedeutet nicht nur Geben, sondern auch Empfangen und Belohnung für die, die in der Missio Dei beteiligt sind. Teilen bereichert unser Leben und macht es bedeutungsvoller. Missionarisches Handeln verändert die Perspektive der Menschen. Die Erfüllung des Auftrags Gottes ist ein transformativer Prozess, der das Leben von Christen, Institutionen und Nationen verändert.
6.3 Der Austausch unter den Synodalen
Nach der Einstimmung auf das Thema Mission galten der anschließende Nachmittag und der nächste Vormittag mit entsprechend vorbereitenden thematischen Impulsen verschiedenen Gruppenarbeiten zu den Themen Weitergabe des Glaubens in Familien, Weitergabe des Glaubens in Institutionen und Weitergabe des Glaubens in der offenen Gesellschaft.
Im Format World Café wurden dann nach einem einleitenden kurzen Podium sieben verschiedene Projekte europäischer Mitgliedskirchen, darunter etwa zu Mission durch Kindergarten und Kinderkrippe, zu Erprobungsräumen oder zu verschiedenen Jugendangeboten vorgestellt. Die Generalsekretärin der GEKE, Pfr.‘in Dr. Susanne Schenk, fragte in ihrem Schlusswort nach dem Stellenwert der GEKE für die Synoden und empfahl die aktuelle Strategie der GEKE für 2025-2031 „Being Church Together in the Light of Hope (Gemeinsam Kirche sein im Licht der Hoffnung)“ zur Beachtung.
Zwei besondere Abendtermine verdienen Erwähnung: Am 2. Oktober empfing Erzbischof Urmas Viilma die Teilnehmenden des Synodalentreffens in den beeindruckenden historischen Räumen des Konsistoriums der EELK zu einem festlichen Abendessen. Am 3. Oktober war die schwedische St. Michaels-Kirche in Tallinn mit ihrem Pfarrer Patrik Göransson Gastgeberin eines Konzertes mit estnischer Musik für Violine und Orgel in der Kirche und für ein Partnerschafts-Mahl der Partnerkirchen der EELK, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, in den Kellerräumen der Gemeinde.
7. Der Abschluss am Sonntagmorgen: Gemeindegottesdienst in der Kaarli-Kirche mit Predigt von Bischof Marko Tiitus
Das Synodalentreffen der GEKE klang am Sonntag (4. Oktober) aus mit einem festlichen Gemeindegottesdienst in der Kaarli-Kirche, einer der größten Kirchen Estlands mit der größten estnischen evangelisch-lutherischen Gemeinde. Wir nahmen in einer der vorderen Kirchenbänke Platz. Die umfangreiche, an den römisch-katholischen Ritus erinnernde Liturgie der Lutherischen Messe wurde in estnischer Sprache gefeiert. Für die auswärtigen Gäste der GEKE gab es ein estnisches Gesangbuch mit eingelegtem mehrseitigem Heft zum liturgischen Ablauf, einen Handzettel mit Angabe der Lesungen und Lieder dieses Sonntags sowie die Predigt in deutscher Sprache. Liturgische Texte und Dialoge sowie die Gemeindelieder wurden auch an die Wand projiziert.
Die Predigt von Bischof Marko Tiitus beschäftigte sich, ausgehend von 2. Tim 1,7,
mit der Kraft bei der Weitergabe des Glaubens: „Die erste Frage bei der Weitergabe des Glaubens ist nicht, ob unsere Methoden flexibel genug oder unsere Institutionen effektiv genug sind. Die erste Frage ist, ob wir selbst glauben und erfahren, dass das Evangelium die Kraft hat, das Leben von Menschen zu verändern.“
mit der Liebe bei der Weitergabe des Glaubens: „Das Ziel des christlichen Glaubens besteht nicht nur darin, dass die nächste Generation weiß, was wir glauben, und unsere Traditionen und Werte achtet. Der Glaube wird lebendig, wo ein Mensch lernt, Gott und seinen Mitmenschen zu lieben. Das bedeutet nicht, dass Liebe die Wahrheit ersetzen könnte. Christliche Liebe ist keine unbestimmte Freundlichkeit oder bloße Toleranz.“
mit der Besonnenheit bei der Weitergabe des Glaubens: „Besonnenheit bedeutet Nüchternheit und die Fähigkeit zu unterscheiden. Was ist der Kern des Evangeliums, und was ist die Form, in der wir selbst gewohnt sind, unseren Glauben zu leben? Was müssen wir unverändert weitergeben, und was kann sich mit der Zeit verändern? Das bedeutet kein neues Evangelium. Es ist nicht die Aufgabe der Kirche, Christus an die Erwartungen jeder neuen Generation anzupassen. Aber die Kirche muss Sprache und Formen finden, in denen das unveränderliche Evangelium gehört und verstanden werden kann. Wir müssen nicht von der Frage leben: Wie können wir unsere Kirche retten oder erhalten. Die Zukunft der Kirche hängt letztlich nicht von unseren Strategien, unseren Haushalten oder unseren Strukturen ab. Unsere Aufgabe ist es, von dem auferstandenen und ewig lebendigen Christus Zeugnis zu geben.“
8. Ausklang
Nach einer leiblichen Stärkung zu Mittag in einem Restaurant an der Kaarli-Schule traten wir mit einem Reisesegen von Bischof Marko Tiitus die Heimreise an, dankbar für alle Begegnungen, Anregungen, Gespräche und Eindrücke während und am Rande dieses Synodalen-Treffens.
9. Zusammenfassung und Ausblick
Im Sinne der Botschaften der Predigt von Bischof Marko Tiitus stärkt und stützt die Kirchengemeinschaft der GEKE evangelische Christen unterschiedlicher Erfahrungswelten im Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, führt sie zusammen und ermutigt sie, vom lebendigen Christus Zeugnis zu geben. Strategien, Haushalte und Strukturen sind nicht das letztlich Entscheidende, sondern der lebendige Glaube und die verständliche Vermittlung und Hörbarkeit des Evangeliums in unterschiedlichen Erfahrungswelten.
Die GEKE blickt auf ihrer Homepage selbst so auf die Tagung in Tallinn zurück:
„Man war sich über Grenzen hinweg einig: Es würde etwas fehlen, wenn es die Kirche im Ort nicht mehr gäbe. Analytisch geschult, wie die meisten Synodalen eben sind, wurde in den Arbeitsgruppen von „individualisierter Gesellschaft“, „Räumen der Kommunikation“ oder „Sprachfähigkeit des Glaubens“ gesprochen. Ob die Gespräche nicht nur eine Wiederholung des allzu Bekannten seien, fragte sich eine Synodale. Und natürlich hatte sie recht, es wurde nichts aus dem Hut hervorgezaubert. In traditionellen Impulsvorträgen wurden die einzelnen Orte beleuchtet, in denen die Weitergabe des Glaubens geschieht. Es geschieht – oder geschieht auch nicht – in der Familie, in Institutionen wie Kirche, Schule oder Diakonie. Auch innerhalb des öffentlichen Raums werden Aspekte christlichen Glaubens und Lebensführung weitergegeben. Dazu nahmen Janina Zemanová (Tschechische Republik), Olga Schihalejev (Estland) und Marco Batenburg (Niederlande) Stellung. Durch den Besuch der Tallinner „Kaarli“-Schule und des „Betheli“-Sozialprojektes konnten die rund 70 Synodalen zusätzlich zwei Orte besuchen, die für die Gastgeber für die Weitergabe des Glaubens wichtig sind.
Aber dann war in Tallinn trotzdem etwas besonders, etwas, was die beiden designierten Konferenz-Zuhörerinnen, Jennifer Smith und Friederike Krippner am Ende widerspiegelten. Sie sei, so Jennifer Smith, mit der Einstellung nach Tallinn gekommen, dass ein weiteres Mal über Relevanzverlust der Kirchen und die aktuellen Gefahren für Menschheit und Glauben gesprochen werden würde. Aber siehe da: Sie hatte ein Grundgefühl von Optimismus, dazu positive Botschaften und sogar Aufbruchstimmung wahrnehmen können. Man musste nur dem Debreziner Pfarrer Endre Iszlai zuhören, wie er davon erzählte, dass Sonntag für Sonntag immer mehr Menschen in seine Kirche kämen; oder dem finnischen Professor für Anatomie Seppo Parkilla, dass bei Sommercamps der Laestadian-Bewegung 80.000 Personen zusammenkämen. Im Grenzland Schlesien hat sich die dortige Kirche aufgemacht, um neue Gemeinden zu gründen. Das, konnte der Delegierte Mihal Klus berichten, sei kein Plan oder eine Strategie, sondern es geschehe einfach. Auch die Sorge, dass ganz Europa in einem nicht aufzuhaltenden Säkularisierungssog gefangen sei, hat Gegenwind erhalten, da der siebenbürgische Pfarrer, Andreas Hartig, bezeugen konnte, dass Rumänien ein durch und durch religiöses Land ist. Dort müsse man, so der Theologe, nicht gegen den Strom schwimmen, um Christ zu sein.
Das Außergewöhnliche dieser Tage waren somit die persönlichen Begegnungen, das positiv stimmte. Die Begegnungen halfen, über den eigenen kirchlichen, täglichen Horizont hinauszusehen und zu verstehen: Ja, Kirche ist in Europa kein Auslaufmodell, wenn man denn offen ist für die Lebendigkeit des Evangeliums.“
Als Berichterstattende danken wir der Lippischen Landeskirche für die Gelegenheit zur Teilnahme an dieser den Horizont erweiternden Tagung, die auch uns persönlich bereichert hat.
Welche Mitgliedskirche Gastgeberin des nächsten Synodalentreffens sein wird, steht noch nicht fest.
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