09/06/2026 0 Kommentare
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# St. Nicolai: Neuigkeiten

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Am Sonntag waren Schwestern aus Indien zu Gast: 5 Pfarrerinnen der Gossner Mission waren anlässlich des 25. Jubiläums der Frauenordination in der Gossner Evangelischen und Lutherischen Kirche bei uns im Gottesdienst. Dr. Idan Topno predigte über den vorgegebenen Predigttext des Sonntags, den wir passender nicht hätten aussuchen können: In ihm geht es um die Güterteilung der ersten Christen. Ihre Predigt ist unten auf Deutsch zu lesen.
Der Gottesdienst wurde festlich und freudig musikalisch gestaltet von Ehemaligen des EKG Schulchores (früher unter der Leitung von KMD Jobst-Hermann Koch), die sich zu einem Projektchor zusammen fanden, um noch einmal "wie früher" die Literatur von "damals" zu singen. Nicht nur die Inderinnen und die Berliner Gäste der Gossner Mission, unter ihnen die Generalsuperintendentin und Regionalbischöfin A.D. Ulrike Trautwein, waren von alledem beeindruckt und freudig bewegt- die Gemeinde "summte" gemeinsam und weltenverbindend im guten Geist. Bewegend waren auch die Gemeinschaft beim Abendmahl und die Segensworte auf Hindi.
Zum anschließenden Taufgottesdienst kamen noch 3 weitere indische Pfarrerinnen dazu sowie der neue Direktor der Gossner Mission, Oliver Fischer, aus ihrem Besuch eines Gottesdienstes in Detmold.
Wir wünschen den Schwestern und ihrer Kirche Gottes reichen Segen!
Predigttext Apostelgeschichte 4,32-37 Die Gütergemeinschaft der ersten Christen.
32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. 33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. 34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte 35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. 36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, 37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen. Jetzt war die ganze Gruppe der Gläubigen eins in Herz und Seele, und niemand beanspruchte das Eigentum an irgendwelchen Besitzungen für sich, sondern alles, was sie besaßen, wurde gemeinsam genutzt.
Gebet: Mögen die Worte meines Mundes und die Betrachtung unserer Herzen vor deinem Angesicht angenehm sein, o Herr, mein Fels und mein Erlöser. Amen.
Grußworte: Liebe Gemeinde von St. Nicolai, ich grüße euch im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Ich bringe auch Grüße von meiner Kirche, der Gossner Evangelische und Lutherische Kirche in Chotanagpur and Assam, Indien, sowie von unseren Partnern, der Gossner Mission, Berlin.
Predigt
Der heutige Predigttext berichtet von einem einzigartigen Verhalten der ersten christlichen Gemeinschaft. Die Gläubigen, so heißt es, waren
EIN HERZ UND EINE SEELE
NIEMAND BESTAND AUF PRIVATEM EIGENTUM ODER BESITZ
ALLES; WAS SIE HATTEN; GEHÖRTE ALLEN.
Heute wäre so ein Verhalten undenkbar. Sich von allem Besitz und Eigentum trennen? – wofür? Und für wen? - FÜR DEN AUFERSTANDENEN JESUS!
Um Zeugnis von der Auferstehung Jesu zu geben, hat die erste Gruppe von Christen alles andere aufgegeben, um an dieser tiefen Erfahrung festzuhalten, die sie möglicherweise selbst persönlich miterlebt haben. Die Apostel haben auf die Auferstehung Jesu auf eine Art reagiert, die in unserer Welt unvorstellbar ist. Sie verkauften ihren Besitz und waren zusammen, um ihr Leben auf ein einziges Ziel zu konzentrieren: nämlich Zeugnis zu geben über den auferstandenen Jesus.
Der heutige Predigttext aus der Apostelgeschichte und der Evangeliumstext aus Lukas 16 erwähnen eine gemeinsame Sache: Nämlich wenn jemand von den Toten wieder zum Leben kommt, sind seine Worte und Werke wirklich wahr. In der Apostelgeschichte repräsentieren die Apostel die Menschen, die in sehr stark an das Wirken Gottes in Jesus geglaubt haben. Die Auferstehung Jesu wurde das feste Fundament des Glaubens. Eine Art von Glaube, der tiefgründig ist und der über jedem Besitz oder Vermögen steht, das ein Mensch haben kann, wie Land und Eigentum.
Andererseits sehen wir in dem Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus, wie es im Evangeliumstext Lukas gelesen wurde: Über einen steinherzigen reichen Mann und seine Verwandten und Bekannten, die Land, Eigentum, reichlich zu essen und luxuriöse Lebensweisen besitzen. Sie werden als Menschen dargestellt, die nicht bereit sind, geistliche Akte der Freundlichkeit, Großzügigkeit, Gerechtigkeit und Liebe zu erkennen oder zu verstehen. Laut dem Evangelium hat das Ignorieren dieser spirituellen Akte Konsequenzen. Sie werden traurig sein und keinen Frieden in sich haben.
Wenn der reiche Mann Abraham bittet, Lazarus zu seinen Brüdern zu senden, damit sie nicht in denselben Ort der Qual geraten, zeigt Abrahams Antwort, dass Härte des Herzens und Mangel an Sensibilität in manchen Menschen so tief verwurzelt sind, dass selbst wenn Tote zu den Lebenden zurückkehrten und Zeugnis ablegten, sie gegenüber den Bedürfnissen anderer Menschen um sie herum dennoch gleichgültig bleiben würden.
Überall auf der Welt werden die Menschen und Gesellschaften vom Besitz sichtbarer materieller Dinge angetrieben. Häufig investieren Menschen ihr Geld in nicht bewegliche Vermögenswerte, wie ein Stück Land, für die „Zukunft“ (des Alters und der Rente) und für die Zukunft ihrer Kinder. Materielle Besitztümer geben Menschen ein Gefühl von Gewissheit, dass die Sicherheit ihres Lebens und ihr Glück von Dingen abhängt, die wir besitzen.
Warum haben die ersten Christen überhaupt auf Besitz verzichtet? War es nicht möglich, die frohe Botschaft von Jesus in das normale Leben zu integrieren? Kann dieses vorbehaltlose Teilen von Besitz wirklich wahr sein (oder wahr gewesen sein)? Wie realistisch ist dieses Bild eines gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Ideals „im Kleinen“: kein Konflikt, kein Privateigentum, kein Leid, geteilte Ressourcen und bedarfsorientierte Versorgung für alle?
Ob historisch wahr oder nicht wahr: dies ist Lukas‘ Sicht der Dinge: Der Glaube an die Wirksamkeit von Gottes Gnade ermöglichte der ersten christlichen Gemeinschaft der frühen Kirche in Jerusalem, ein gerechtes Leben zu führen.
Das Teilen von Ressourcen bedeutet wechselseitige Abhängigkeit / Co-Abhängigkeit und das Loslassen der Idee von individuellem Besitz und Kontrolle. Kollektivität wird gefördert.
Beim Lesen von Reflexionen und Kommentaren zu diesem Text von außerhalb der Adivasi-Welt (Anmerkung der Übersetzerin: „Adivasi“ = „erste Siedler, ursprüngliche Einwohner“ ist eine frei gewählte Selbstbezeichnung von indigenen Bevölkerungen im Gebiet des heutigen Indien, teilweise auch darüber hinausgehend.) finde ich eine Art von Ablehnung und Zweifel: solch ein Leben mit gemeinsamem Besitz und Teilen der Ressourcen wird als unmöglich erachtet. Oder selbst wenn dieses Ideal einmal begonnen haben sollte, wäre es bestimmt zu einem späteren Zeitpunkt gescheitert. Lassen Sie mich Ihnen eine Perspektive aus meiner Adivasi-Welt darstellen: Die selbstverwaltete Adivasi-Gemeinschaft praktiziert ein ähnliches Konzept in ihrem Gemeinschaftsleben, bei dem Waldgebiete, Tierweideflächen, Gemeinschaftsversammlungsbereiche, Spielplätze, natürliche Gewässer und Waldprodukte wie essbare Blätter, Blumen, Wurzeln, Brennholz etc. allen gehören, ohne dass ein individueller Anspruch geltend gemacht wird.
Eine Heirat zum Beispiel wird vom gesamten Dorf getragen: jede Familie bringt Rohkost wie Reis, Linsen, Öl, Gemüse, Ziegen- oder Hühnerfleisch usw. für das Hochzeitsfest mit. Die Last der größeren Aufgaben wie das Pflanzen von Reissetzlingen in vielen Reisfeldern und die Reparatur der Hausdächer wird von der Gemeinschaft geteilt. Lange Zeit war die Welt der Adivasi und ihre Lebenssicht auf das Leben in gegenseitiger Abhängigkeit mit der Gemeinschaft, da die die meisten Lebensressourcen miteinander geteilt wurden. Von daher fürchtet tatsächlich selbst heute ein uns bekanntes ländliches Mitglied der Adivasi Gossner Kirche seine Exkommunikation, denn ein Leben ohne Gemeinschaft ist überhaupt nicht vorstellbar.
Die Zusammenfassung in Apostelgeschichte 4 betont das Wirken des Geistes Gottes: Geistgeleitete soziale Gerechtigkeit ist möglich! Durch das Teilen von Ressourcen entwickelten und praktizierten die Apostel Großzügigkeit und Freigebigkeit als christliche Pflicht und spiegelten dadurch den Charakter Gottes. Alles gehört Gott.
Wenn man dies berücksichtigt, verändert es die Art und Weise, wie wir über uns selbst denken. Es verändert die Art und Weise, wie wir über unseren Besitz, über Geld, über unsere materiellen und intellektuellen Ressourcen und darüber, was wir damit tun, nachdenken. Unsere Gaben und Fähigkeiten zu teilen, uns selbst zu teilen, unsere Gemeinschaft mit Außenstehenden zu teilen..., die Liste kann man fortsetzen, wenn wir zulassen, dass der Geist Christi in unserem Leben wirkt. Gute Verwaltung der Ressourcen ist ein biblisches Gebot.
Im biblischen Verständnis sind wir Teil einer durch Gottes Geist erhaltenen Gemeinschaft. Seit Jahrhunderten. Wenn es heißt: „Sie waren eines Herzens und einer Seele“, ist das kein sentimentaler Unsinn oder Kitsch. Dieser Ausdruck ruft Israel am Sinai in Erinnerung. Er erinnert an den zentralen Punkt, das grundlegende jüdische Glaubensbekenntnis zu Gott: das „Höre, Israel“, Shema Yisrael: „Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist der Herr allein. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit aller Kraft.“ (Deuteronomium 6,4-5)
Das heißt, mit allem. Gott lieben mit deinen Gedanken. Deinen Gefühlen. Mit deinem Körper. Deinen Händen. Mit deinem Reichtum, deinem Besitz. Mit deinem ganzen Leben. Glaube ist niemals nur innerlich. Er ist ganzheitlich im weitesten Sinne. Er wird praktisch. Er nimmt Gestalt an. Er bekommt Hände und Füße.
Ich bin mir der Diskussion über Mission in Deutschland bewusst, bei der „Missionsarbeit“ kritisiert wird, weil sie den Kulturen in verschiedenen Teilen der Welt Schaden zugefügt hat. Ich und andere Adivasi-Gemeinschaftsmitglieder meiner Region sind der Meinung, dass die Missionsarbeit in großem Maße zum Leben unserer Adivasi-Gemeinschaft beigetragen hat. Ich bin eine lebendige Zeugin, die vor Ihnen steht, um zu sagen, dass, wenn die von Vater Gossner gesandten Missionare uns Adivasis nicht erreicht hätten, unsere Existenz in einem unermesslichen Elend ohne Hoffnung auf Heilung gewesen wäre.
Die damals in unser Land kommenden Missionare haben ihr Alles gegeben, ihr ganzes Leben, ihre Energie, Fähigkeiten und vor allem das Wissen um einen liebenden und gerechten Gott. Einige der Missionare und sicherlich viel Unterstützung für die Gossner-Mission sind ebenfalls aus der Region Lippe gekommen. Auf deren Arbeit in Bildung, Gesundheit, Sprache und Literatur baut die heutige Generation auf. Einer der größten Beiträge der Missionsarbeit zur Adivasi-Gemeinschaft ist das CNT-Gesetz (Chotanagpur Tenancy Act), ein Schutzgesetz zum Schutz der Adivasi- Landrechte. Das Land ist für die Adivasis die einzige Lebensgrundlage. So hat das CNT-Gesetz große Erleichterung für die Adivasi-Gemeinschaft gebracht, die unter den lokalen unterdrückerischen Großgrundbesitzern litt, die aktiv versuchten, Adivasi-Land mit allen Mitteln zu enteignen. Die Missionarsväter brachten Gerechtigkeit für die gesamte Gesellschaft. Mein Herz ist voller Dankbarkeit gegenüber jenen Jüngern Christi, deren Arbeit zur Verbesserung und Befreiung aus ungerechten Situationen geführt hat.
Sie waren eure Vorfahren, Deutsche, Menschen dieses Landes! Ich könnte sagen, dass Missionare bei den Adivasi ein vom Geist inspiriertes Engagement für soziale Gerechtigkeit verkörperten.
Unser Predigttext spricht von einer Gemeinschaft, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt, als Verkörperung einer vom Geist inspirierten christlichen Großzügigkeit. Auch unsere Missionsgeschichte passt sehr gut als Beispiel: Deutsche Missionare bei uns, den Adivasi, waren wie Barnabas, Außenseiter, aus einer anderen Kultur, die sich der Missionsarbeit unter den Adivasi im britischen Kolonialindien anschlossen. Sie ermutigten die Menschen zu einem Leben in Christus. Nach den grundlegenden Arbeiten der deutschen Missionare wurden auch die anglikanischen Missionare aus Großbritannien ermutigt. Es wäre für die Anglikaner einfacher gewesen, die Missionsarbeit zu beginnen, da Indien bereits unter britischem Einfluss durch die Ostindien-Kompanie und die weitere Ausdehnung ihrer Herrschaft stand. Aber Missionsgesellschaften aus dem anglikanischen und römisch-katholischen Bereich wurden erst von deutschen Missionaren ermutigt, unter den Adivasi zu arbeiten. Diese Missionare aus verschiedenen europäischen Ländern (Deutschland, Großbritannien, Belgien, Norwegen usw.) hatten ihr Augenmerk auf die unterdrückten Lebensbedingungen der Adivasi gewidmet und ihnen in ihrer Not ihre helfende Hand gereicht.
Schluss:
Legt der Text also nahe, dass die Jünger Christi sich von der Bedeutung des Eigentumserwerbs lösen oder das, was wir besitzen, vollständig verschenken müssen?
Die Botschaft des Evangeliums hat eine radikale Position und ruft zu unkonventionellem Denken und Handeln auf in der Arbeit, die für Gott bestimmt ist.
Möge unser Herz mutig genug sein, die Wege der Schwestern und Brüder zu gehen, die vor uns waren. Wir haben viele Zeugnisse aus der frühen Christenheit über missionarische Arbeit, Aposteln der frühen Kirche, in Jerusalem, und in der modernen Zeit von mehreren Individuen, Freunden der Gossner-Mission. Vater Gossner selbst war in seinem Ansatz, das Werk Christi zu tun, sehr unkonventionell! Lassen wir uns von diesem hingebungsvollen Geist inspirieren und Gott bitten, uns ebenfalls mit einem Geist zu erfüllen, der dazu verpflichtet ist, Christusähnliche Arbeit zu tun.
Was könnte ein kleiner erster Schritt sein? Vielleicht aufmerksam auf die erstaunliche Arbeit zu sein, die von vielen Menschen bereits getan wird, und unsere Hände auszustrecken, um sie zu unterstützen, auch mit Geld.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
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